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Wie ist ein Theologiestudium aufgebaut?

Dieser Eintrag ist etwas kritisch gemeint. Mich haben diese Kommentare im Theologiestudium immer etwas gestört. Was macht ihr da eigentlich? Was macht man damit? Diese Fragen greifen den Aspekt der Nützlichkeit der Bildung für die Wirtschaft und die Gesellschaft und so weiter auf.

Bildung verliert damit den Aspekt der Selbstbildung des eigenen Lebens, sondern wird mehr als eine Ausbildung verstanden, die Leistung und Geld produzieren soll.

Aber wie ist ein Theologiestudium aufgebaut? Ich setze jetzt voraus, dass die Studiengänge nach der Bologna-Reform schon modularisiert worden sind. Ein Bachelor reicht für die Ausübung des Pfarrberufs nicht aus, sodass es zu einem Kompromiss kommt. Zwar gibt es Module, aber die kleine Zwischenprüfung und die große Abschlussprüfung bleiben so wie sind. Tradition und Innovation.

 

1. Phase: Alte Sprachen (nach-)lernen und die Sprach-/Abiturergänzungsprüfungen für Latein, Griechisch, Hebräisch bestehen (Latinum, Graecum, Hebraicum). Daneben gibt es an einigen Fakultäten die Möglichkeit z.B. auch Ugaritisch, Aramäisch oder Akkadisch zu lernen (max. 2 Semester).

 

2. Phase: Grundstudium (4 Semester). Proseminare für Exegese, Systematik (Ethik und Dogmatik), Predigtlehre, Seelsorge, Religionswissenschaft, Kirchengeschichte, Religionspädagogik besuchen und dazu Referate halten und zwei oder drei Proseminararbeiten schreiben, Biblicum bestehen (Bibelkunde-Prüfungen im Alten und Neuen Testament), Einführungsvorlesungen in den einzelnen theologischen Gebieten besuchen, Gemeindepraktikum in einer Kirchengemeinde und darüber einen Praktikumsbericht verfassen.

 

Zwischenprüfung (Eine Klausur in einem biblischen Fach, zwei mündliche Prüfungen)

 

Daneben sind Wahlmodule und Lehrveranstaltungen von anderen Fakultäten zu besuchen.

 

3. Phase: Hauptstudium (4 Semester). Hier wird das Wissen des Grundstudiums vertieft

und darüber sind drei Hauptseminararbeiten zu schreiben. Das Wissen wird auch praktisch angewendet, in Form eines Predigt- und Gottesdienstentwurfes und eines Unterrichtsentwurfs (meistens für den Konfirmandenunterricht). Eine Prüfung in Philosophie (Philosophicum) beendet die "Cum-Abschlüsse".

 

4. Phase: Repititorium und Magisterarbeit (2 Semester). Hier wird das Wissen gebündelt und wiederholt, sowie Examensklausuren probeweise geschrieben oder mündliche Prüfungen simuliert. Daneben schreibst du deine Magisterarbeit, sofern diese vorgezogen ist.

 

1. Theologisches Examen vor einer Prüfungskommission einer Gliedkirche (hier Nordkirche)

Predigtarbeit über zwei Wochen, drei vierstündige Klausuren in einer Woche, sechs mündliche Prüfungen an einem Vormittag (in manchen Landeskirchen entfällt die Predigtarbeit oder eine mündliche Prüfung).

Du kannst die Prüfung auch vor der Fakultät ablegen, musst dann aber damit rechnen, dass diese Prüfung bei der Bewerbung zum Vikariat nicht bei jeder Landeskirche unbedingt anerkannt wird.

 

Dann hast du circa 360 ECTS-Points erreicht, sofern du keine Zusatzleistungen erbracht hast. 1 ECTS-Point bedeutet ungefähr 25-30 Stunden Denk- und Rechercheleistung.

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