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Vegetarier-Sein - Eine (hinkende) 99%-Idealgestalt

 Ich glaube, dass 2018 der fünfte Anlauf seit 2012 anlief, eine rein vegetarische Lebensweise zu führen, die aber schon als Kind begann, als ich mich als Sechsjähriger 1998 vor Fisch geekelt habe. Seitdem habe ich, aus meiner Erinnerung heraus, keinen Fisch mehr gegessen, aber nicht aus ethischen Gründen, sondern eher aus egoistischen beziehungsweise geschmacklichen. Jetzt funktioniert es schon (wieder) seit einem halben Jahr, das Vegetarier-Sein.

 

Damals wusste ich noch gar nicht, was Vegetarier sind. Erst im Studium und als ich mit dem Laufsport neben dem Karate-Club angefangen habe, fing das an, der Verzicht auf Fleisch, um fit und schlank zu bleiben. Aber nicht auf Milch, Eier und so weiter, da einem sonst die wichtigen B-Vitamine fehlen und ich auch nicht sicher bin, woher die Supplemente kommen, die Veganer zu sich nehmen und diese vielleicht nicht wissen, dass sie auch wieder Tieren entnommen worden sind. Außerdem ist alles relativ. Es gibt immer mal wieder versteckte tierische Produkte in Lebensmitteln. Deswegen betrachte ich solche Lebensweisen (meine inklusive) eher als 99%-Idealgestalten, die man nie vollständig erfüllen kann. Der Versuch aber, sich so gut es geht an eine Lebensweise anzunähern, um Leben zu schützen, das unterstreiche ich vollkommen.

 

Als mein Nymphensittich-Weibchen 2017 an Legenot starb (es geschah in der Nacht, da konnte ich ihr nicht mehr helfen), glaubte ich nicht mehr daran, dass ein Verzicht auf Eier Leben rettet, oder zumindest nicht uneingeschränkt. Sie wurde immerhin 15 Jahre alt und hatte ein schönes Leben. Wir gaben ihr viel Liebe und sie uns.

Diese Tierart legt Eier dann, wenn die Umweltbedingungen (Luftfeuchtigkeit, Wärme, Sonnenlicht) stimmen und nicht aufgrund einer künstlichen Befruchtung, wie sie in den Massentierbetrieben betrieben wird, um Milch und Eier von den Tieren zu "erzwingen". Und das heißt ja nicht, dass das auf anderen Bauernhöfen genauso zugeht. Lieber esse ich die Eier auf und trinke die Milch (in Maßen, da mir die Laktose nicht so gut bekommt), als dass ein Tier daran stirbt. Aber Fleisch zu essen, von etwas mal lebendigem, das kann ich nicht verstehen. Dann könnte ich ebenso gut einen Menschen aufessen oder mich selbst.

 

Außerdem ist die Milch wieder wichtig, dass sich die Art weiterentwickeln und erhalten kann. Ohne Eier, keine Küken. Ohne Milch, kein Wachstum der noch kleinen Tiere. Ohne das gibt es kein Leben und ich möchte mit meinem Leben anderen so wenig Schaden wie möglich zufügen, auch mir gegenüber, da Körper und Seele doch zwei verschiedene Dinge sind. Wenn jemand Veganer ist, aber z.B. trotzdem eine Schnecke im schnellen Vorbeigehen zertritt und tötet, dann verstehe ich das nicht, und verdeutlicht eine hinkende Argumentationsstruktur innerhalb dieser Lebensweise. Auf der einen Seite möchte ich Leben schützen. Auf der anderen Seite töte ich trotzdem. Aber ich möchte ehrlich sein. Ich bin, was das betrifft, keine Ausnahme. Eine Lebensweise kann immer nur eine Idealgestalt sein. Aber anstatt daran zu verzweifeln, sollte man sich seinen Standpunkt (wie hier) klar machen und so gut es geht danach leben. Vielleicht die Milch, den Käse und die Eier nur von einem "guten" Bauernhof kaufen oder Kleidung ohne verwendete tierische Ressourcen. Aber über das Gute muss ich nochmal nachdenken (Immanuel Kant).

 

Zusammenfassend: Ob eine Lebensweise funktionieren kann, muss ich selbst auch als Vorbild anderen gegenüber beweisen. Wenn ich daran sterbe oder jemand anderes, dann funktioniert sie wohl nicht (uneingeschränkt) und ist mehr als eine Sterbensweise zu verstehen.

 

Habt ihr schon mal auf etwas verzichtet? Ist das Vegetarier-Sein eine Möglichkeit, Leben zu schützen?

 

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