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Die (gesunde?) Arroganz des Minimalismus

Minimalismus bedeutet mit dem Wenigen, was du hast, das beste zu machen und auf viele Dinge im Leben zu verzichten, die nicht unbedingt notwendig sind, um dein Leben zu erhalten. Arroganz meint Überheblichkeit, Abgehobenheit und z.B. ist der (männliche) Pfau, auch schon in der Antike ein Sinnbild dafür gewesen. Beide Begriffe können miteinander korrelieren. Aber Arroganz muss nicht schlecht sein. Es gibt auch einen gesunden Egoismus beziehungsweise eine gesunde Arroganz.

 

Die Wirtschaftswissenschaftler würden sagen: Die Sekundärbedürfnisse (Luxusgüter wie Handy, Schokolade) immer weiter verringern und den Fokus auf die Primärbedürfnisse legen (Nahrung, Kleidung, Wohnraum, Licht), die das menschliche Leben erhalten. Die Luxusgüter sind dazu nicht zwingend notwendig. Gut am Minimalismus finde ich daher, unser Leben auf das Wesentliche des Lebens mehr zu fokussieren.

Auch ich verfolge ein NoLife. NoDrink (Alkohol), NoCar, NoSmoke, NoSmartphone, NoTV, NoMeat. Aber eben nur so gut es geht. Denn auch ich rauche passiv, wenn ich mich mit einem Raucher unterhalten muss, der gerade raucht (für mich sehr schlimm). Und natürlich sehe ich fern, auf dem Laptop, auf den Plakatwänden. NoCar relativiert sich auch, wenn ich Beifahrer bin oder als Fahrer einspringen muss (oder von meinem Traumauto träume (einen SmartForTwo, Baujahr 2007-2015), sodass NoCar bald aufgehoben wird, um mit ihm über den Golden-Gate-Bridge zu touren und eine Tageslaufvisite in Los Angeles zu machen... :) )

Entscheidend ist der bewusste Verzicht, nicht der unbewusste in passiven Situationen (obwohl das auch so gut es geht unterdrückt werden sollte), was die Lösung angesichts dieses Dilemmas für mich ist. Auf Fleisch verzichte dagegen z.B. unbewusst, da mein Körper keinen Appetit mehr danach verspürt und ich mich sogar schon davor ekel, auch vor Alkohol oder Rauchen.

 

Keine Lebensweise ist perfekt, was schon mal im Vegetarier-Sein-Artikel kritisch behandelt wurde und auch als Paragraph auf der Website nach einer "parlamentarischen Debatte" im Teezimmer aufgenommen wurde.

Denn es vermeidet das Gefühl, anderen Nicht-Nolern "überlegen" zu sein, zumindest in einem begrenzten Maß.

Ich gebe mir und den Kritikern offen zu, dass ich Schwächen in meiner Lebensweise habe, die ich maximal nur zu 99% ausfüllen kann. So bleibe ich auch ein Mensch mit Schwächen. Das macht in den meisten Fällen sympathisch und zweitens erhebe ich keinen überheblichen Anspruch, ich sei mit meiner minimalistischen Lebensweise perfekt. Denn durch eine Lebensweise des Verzichtes kann man anecken. Wir erinnern uns an das eine Wort von Jean-Paul Sartre "Die Hölle, das sind die Anderen" und die Lösung, sich selbst zum starken Zentrum zu machen und die anderen Zentren (manchmal) abzublenden, indem wir unser Lebenskonzept im Gespräch zur Sprache bringen, dem Anderen zuhören, ihm helfen, Empathie zeigen und so weiter, was man als gesunde "Arroganz" auffassen kann, was letzlich auch ein eher negativ konnotierter Begriff ist, aber das nicht unbedingt so sein muss, weil hier der Bezug zum Anderssein des Anderen noch hergestellt wird.

 

Das Gegenbeispiel: Was mich letztens mal aufgeregt hat, war eine Marathon-Staffel, wo nur vegane Läufer dran teilnehmen dürfen. Ja, ist das die Rückkehr in den Rassismus (der minimalistischen Ernährung)? Und verdeutlicht für mich ganz klar eine nicht-gesunde Arroganz des Minimalismus, abgehoben von den Anderen. Seht ihr das auch so? Oder: Minimalismus ist dann gut, wenn er Anderen nicht schadet?

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