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Ein letztes Kapitel der GKR

Im Dezember 2007 fing dieses Projekt an, das mich immer mehr in seinen Bann zog - der Kommunismus und die Fiktion beziehungsweise Utopie von einem griechischen Staat (die Griechische Kommunistische Republik) in naher Zukunft. Das Buch wurde nach vier Jahren Arbeit fertig. Meine Romanfigur wird in diesem Monat geboren, wie ich feststellte.

 

Jetzt wo ich das Buch überarbeite, Quo vadis Graecus? Das Ende der Republik Griechenland 2035-2037, fasziniert es mich erneut und überhaupt die Ideen, die mein Kopf produziert, ohne dass das mir manchmal bewusst ist. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. Denn es geht um eine kritische Kommentierung dieses Werks, das auch in der Fiktion sehr vielen Menschen Leid zufügt. Der erste Entwurf ist eine Utopie, dem eine Dysutopie (Negativwelt) als Gegenentwurf folgt.

 

Am Ende dieses Staates (die sogenannte spätkommunistische Phase von 2070-2107) wird dieser durch eine Wirtschaftskrise und einem Volksaufstand zunehmend bedroht und die Regierung unter Georgios Volgin plant auf einer geheimen Parteikonferenz 2102 die vollständige Auslöschung der Aufständischen - die so formulierte "Operation Reinrot". Zuerst sollte die Nahrungsversorgung unterbunden werden.

Interessant fand ich meine Feststellung, dass die DDR-Regierung (der Geheimplan Honneckers) aufgrund der Erfahrungen mit dem Volksaufstand von 1953, der auch blutig niedergeschlagen wurde, und zur Vermeidung eines weiteren Aufstandes einen ähnlichen Plan verfolgte. Menschen, die der Opposition angehörten, wurden nach verschiedenen "Härtegraden" katalogisiert und im Falle eines Aufstandes sollten diese Menschen interniert werden, in Beobachtungslagern. Die Dokumente und Akten wurden aber im Zuge der Wende 1989/90 weitestgehend vernichtet (in Feuchtreißern), damit sie nicht mehr als Beweismittel entziffert werden konnten. Doch der Plan Volgin geht an dieser Stelle noch weiter. Zu einer "Wende" in Griechenland kam es nicht.

 

Im Buch (das nicht mehr fertig gestellt wurde) "Das letzte Kapitel. Die geheime Parteikonferenz von 2102" beschreibe ich die Eindrücke des Staatssekretärs des Inneren Jonathan in Athen, der bei der Konferenz anwesend ist und es selbst nicht fassen kann, was da beschlossen wird, wie auch viele andere Teilnehmer. Um die logistischen Probleme zu lösen, sollen unterirdische Folterlager eingerichtet werden, um so viele Menschen wie möglich in einem sogenannten "Elektrischen Salzwasserbecken" zu töten und den Aufstand zu unterdrücken.

 

Als der Aufstand schon längst erstickt ist, machen die Kampftruppen Volgins immer noch Jagd auf Menschen. Im Zuge der Operation Reinrot sterben etwa 2 Millionen Menschen. Als der Demokratische Bund (das Osmanische und Sumerische Nachbarreich) auf dieses Menschheitsverbrechen aufmerksam wird, kommt es 2104 zum Krieg, in dem Griechenland besetzt wird, Volgin 2106 Selbstmord begeht und die Parteiführung der herrschenden Kommunistischen Partei 2107 verhaftet wird, sowie mehrere Bedienstete der Ministerien und Leiter der Folterlager, die dem auf der Parteikonferenz gegründeten Vernichtungsausschuss angehörten.

 

Das Athener Welttribunal der UNO 2108 verurteilt die Hälfte der Angeklagten und die Köpfe des Regimes (insgesamt 28) wegen Kriegsverbrechen, Verschwörung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode durch den Strang, vier werden frei gesprochen, die restlichen bekommen mehrjährige Gefängnisstrafen. Als ich dieses letzte Kapitel schrieb, war ich selbst erleichtert.

 

Die Namen der drei Hauptangeklagten, die als erste zum Galgen (in aller Öffentlichkeit zwischen zwei Bildschirmen mit Bildmaterial über die Verbrechen des Regimes) geführt wurden, und ihre letzten Worte:

 

Maximus, letzter Generalsekretär der GKR von 2106-2107, 1. Parteisekretär und Stellvertreter Volgins, früherer Außenminister und Minister für "besondere Aufgaben" - Strafe: Tod durch den Strang, Letzte Worte: "Es tut mir leid, was ich tat. Ich habe es verdient."

 

Clemens, 2. Parteisekretär und Chef der Kommunistischen Staatssicherheit (KommuSTASI) und Leiter der Kampftruppen sowie der Spezialeinheiten (Leibgarde Volgins) - Strafe: Tod durch den Strang, Letzte Worte: "Ich bereue nichts. Ich habe meinem Land treu gedient und nicht alles war schlecht."

 

Christoros, Minister für Wirtschaft und Verteidigung, Mitglied der Parteiführung der KP und des Vernichtungsausschusses - Strafe: Tod durch den Strang, Letzte Worte: Er starb schweigend.

 

Meine Romanfiguren haben ihre gerechte Strafe erhalten und ich konnte das Projekt schließen, an dem ich nicht mehr weiterarbeiten wollte, da es besonders am Ende sehr grausam und kaum zu ertragen war.

 

 

 

 

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