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Die Macht über die Reflexion - Ich und der Andere

Eine Grundfrage, die ich mir gerne stelle: Muss ich mir etwas sagen oder mich bewerten lassen? Alles ist Deutung. Macht bedeutet Einfluss auf die Handlungen eines Gegenübers zu nehmen, mit der Grundlage der Intention desjenigen, der Machtanspruch hat. Reflexion ist ein Spiegelvorgang mit Bezug auf den anderen. Warum handelt derjenige so? Mit welcher Hypothese? Also eine stark wissenschaftliche Kategorie.

 

Jemand soll etwas tun, was ich will. Doch Macht ist nicht nur auf die Handlung beschränkt, sondern auch auf die Bewertung. Im Unterrichtsseminar für das Fach Ev. Religion wurde ich zum ersten Mal damit konfrontiert, als der Professor sagte: "Wenn Sie überprüfen wollen, ob Ihre Lerngruppe, Ihren Stoff und die Lernziele des Unterrichtsentwurfs verstanden haben, geben Sie ihr eine Note."

 

Das hat mich besorgt: Ich soll jemand anderes bewerten? Mein Ich und mit welcher Autorität oder Deutungsgrundlage? Was Noten angeht, bin ich der Meinung, dass sie nur wenig über den Menschen aussagen und immer von Kontexten abhängig sind, z.B. unterschiedliche Ansprüche der Lehrer, ganzgleich ob es einen einheitlichen Lehrplan gibt.

 

Und dann bin ich der Meinung, dass ein Lehrer immer auch Teil der Welt ist, über die er reflektiert. Er steht nicht darüber, da er auch immer bewertet wird. Über jemanden zu reflektieren erfordert Mut und Sachkenntnis. Aber vielleicht wird diese Angst davor etwas abgeschwächt, wenn ich davon ausgehe, dass meine Reflexion auch nur eine Deutung unter vielen ist. Ich biete diese Deutung einem anderen an. Dieser muss sie nicht annehmen, ich auch nicht, wenn ein Anderer mich bewertet.

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