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Panikattacken - Und meine Angst davor und eine Lösung

Panikattacken habe ich seit einem Abend im November 2015 immer mal wieder. Diesen Tag vergesse ich nicht, in dessen Verlauf ich ein halbes Jahr täglich ein bis zwei (manchmal auch mehr) Attacken hatte, dann aber Ruhe einkehrte und am Ende total abgemagert war und mich anders fühlte.

Heute weiß ich, dass sich mein Körper gegen meine innere Verspannung wehrt und mich auffordert, ich soll mich locker machen und meine angestaute Energie frei lassen. Seitdem lasse ich auch meinem Bewegungsdrang oder dem Drang zum Denken und Fordern meines Kopfes freien Lauf. Das ist ungeheuer wichtig für mich. Das Laufen oder der Sport ist also nicht nur ein Teil meiner Identität, sondern fast schon lebenswichtig, was den Aspekt der Selbstidentität noch übersteigt.

 

Hier ein Eintrag aus meinem Tagebuch. Er beschreibt zunächst aus einer persönlichen Sicht, was da passiert.

 

30. Juni 2018

 

"Ich hatte in der letzten Nacht gegen 2 Uhr eine heftige Panikattacke. Alles verschwamm vor meinen Augen und ich verlor mein Bewusstsein. Ich hatte starke Schmerzen am gesamten Körper. Mein Herz raste und beruhigte sich nicht. Ich dachte, ich muss sterben und dass mich jemand oder etwas vergiftet hat. Ich war völlig neben mir als würde ich selbst um mich kreisen. Ich machte mir eine Wärmflasche und legte sie auf den Rücken. Dann ging es mir etwas besser. Ich trank einen Tee mit schwachen Beruhigungsmedikamenten. Gegen 3 Uhr beruhigte sich mein Körper langsam und ich sah wieder klarer und hatte wieder volles Bewusstsein. Aber die Nerven haben sich die Schmerzen gemerkt. Ich hoffe, dass es mir bald wieder besser geht. Eine Panikattacke ist immer ein Ausdruck davon, dass es zu viel geworden ist und ich möchte einfach nur schlafen."

 

Panik ist eine Fluchtreaktion des Körpers. Sie ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als wir noch Jäger und Sammler und ständig Gefahren (z.B. wilde Tiere) ausgesetzt waren. Es ist also etwas Menschliches. Aber da wir nicht mehr in der Steinzeit leben, bricht der verborgene Fluchtreflex anscheinend immer mal wieder durch. Die wilden Tiere sind heute etwas anderes: Stress, Überlastung, Neid usw. Aus medizinischer Sicht geraten die Hormone im Körper dabei außer Kontrolle. Die Stresshormone, wie Adrelanin, werden dann vermehrt im Körper ausgeschüttet, um diesen zu Höchstleistungen anzutreiben. Wird der Anteil dieser Hormone im Blut zu hoch und stabilisiert sich das nicht, entsteht ein Panikkreislauf, der maximal eine halbe Stunde anhält. Es dauert etwas, bis der Körper die überschüssigen Hormone abgebaut hat. Verbunden ist das oft mit Schmerzen in der Brust (das verschlimmert die Panik noch), Atemnot, Schmerzen im Gesicht, wackligen Beinen und dem Gefühl um sich selbst zu kreisen.

 

Aber Vorbeugen ist besser als Heilen. Das gilt auch für den Einsatz von Medikamenten. 2016 wollte mich mein Hausarzt in Rostock zu einem Versuchskaninchen machen und mir Citalopram (gegen Panik) und Schmerzmittel verschreiben. Ich lehnte das ab und rührte die Tabletten nicht an, die mich ruhig stellen sollten. Stattdessen versuchte ich durch mehr Laufsport und Muskelaufbau beziehungsweise Krafttraining der Panik vorzubeugen (ein Hilfe zur Selbsthilfe-Konzept). Ein anderer Arzt, der psychologisch geschult war, schlug mir dieses vor und zwang mich regelrecht zum Laufen. Er meinte, dass der Einsatz von Medikamenten nur eine Möglichkeit von vielen ist, die man nicht zu akzeptieren braucht. Laufen und Kraftsport bauen die Muskulatur auf, sodass schmerzhafte Verspannungen im Oberkörper verhindert werden, konkret in der Zwischenrippenmuskulatur, die mit Tausenden von Nervenzellen verbunden sind und auf Verspannungen oder Kälte sehr empfindlich reagieren. Gleichzeitig baut das Rennen überschüssige Energie ab, weswegen ich immer sehr schnell laufe und selten lange und ausdauernd.

 

Das Hilfe zur Selbsthilfe-Konzept funktioniert aber nicht ohne Risiko. Es passiert immer noch, dass ich manchmal im Laden stehe oder auf der Treppe, dass ich plötzlich ohne ersichtlichen Grund eine Panik kriege. Ich trinke dann immer einen Schluck Wasser und setze mich 10 Minuten hin und schließe die Augen. Das hilft sehr und meistens bin ich dann auch wieder voll da. Da ich mich vegetarisch ernähre, übersäuert der Magen durch das überwiegend basische Essen nicht und verhindert zusätzlich Angst und Schmerzen.

 

Als Literaturtipp empfehle ich, dieses Buch zu lesen. Auch dieses beginnt mit einem persönlichen Erfahrungsbericht und entfaltet im Hauptteil Tipps und Tricks im Umgang mit der Panik, mit dem Ziel die Panik anzuerkennen und "ihr zu danken."

 

Ilke Porath, Keine Panik vor der Panik! - Kleine Tipps gegen die große Angst: Ein persönlicher Ratgeber, 2012

 

 

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