· 

Das imaginäre, zukünftige Wir - Oder wer ist "wir", wenn ich allein bin?

Mir fiel beim Hören des Teezimmers immer auf, dass ich in der Wir-Form spreche, obwohl ich das Teezimmer ja immer am Samstagabend alleine in meinem Heimzimmer abdrehe und meine vorher notierten Texte und Gedanken lese und dabei Tee trinke oder vegane Salzstangen rauche.

Das ist eine Erinnerung an vergangene Tage, als ich in meinem Zimmer Zuhause Salzstangen hatte und sie "rauchte" beziehungsweise langsam abknabberte und dabei Luft aus meinen Lungen auspaffte, damit die Sache authentisch ist, obwohl ich konsequenter Nicht-Raucher bin (obwohl dies als passiver Raucher nicht immer leicht ist, da noch immer viele Menschen rauchen). Das Rauchen von Salzstangen ist quasi eine Ersatzbefriedigung und das Salz beziehungsweise leckerer Sesam können genauso süchtig machen. Es ist also ein Bild, das dieses Teezimmer neben dem Trinken von Tee und dem Lesen der Gedanken, prägt.

 

Das Geräusch der klappernden Teelöffel oder das Geräusch, wenn ich die Teetasse nach dem Trinken auf den Tisch setze, machen die Sache sehr authentisch. Obwohl der Hörer nicht anwesend ist, soll er trotzdem das Gefühl bekommen, anwesend zu sein.

Deswegen rede ich auch in der Wir-Form. Ich spanne mein zukünftiges Hörerpublikum immer in das Teezimmer ein, sobald sie es hören. Sie können sich ja selbst mit einem Tee hinsetzen und Salzstangen oder anderes "rauchen" (vegane Maisstangen, die wie Popcorn schmecken) und sich Gedanken um meine Gedanken machen oder vielleicht mit anderen Teilnehmern in ihrem Teekreis diskutieren (und mich auch kritisch sehen).

 

Das Wir ist auch ein Stilmittel. In der Predigtlehre, beziehunsweise in der Predigt, ist es aber eine gefährliche Sache, ein Hörerpublikum über ein Wir in seiner Predigt einzuspannen. Denn du weißt nicht, ob derjenige, den du in dein Wir einspannst, auch deiner Meinung ist, was du mit dem Wir erreichst und implizierst: "Wir (alle) sind einer Meinung aus meiner Sicht." Aber darum geht es mir nicht und so soll es auch nicht gehen. Das Teezimmer steht Kritik immer offen oder neuen Themenvorschlägen.

 

Das Teezimmergespräch spannt über die Wir-Form die zukünftigen Hörer ein, um ihnen ein authentisches Gefühl zu geben, "dabei" zu sein. Die Teezimmergeräusche sollen dieses Gefühl unterstützen, beim Hören dasselbe zu tun und über die Teededanken mit eigenen Gedanken nachzudenken.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0