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Die Macht der Imagination als Chance in der Seelsorge

Träume oder überhaupt Transzendentes beziehungsweise Übermenschliches sind menschlich. Der Mensch ist ein Wesen, das dazu fähig ist, transzendent zu denken, sowohl bewusst als auch unbewusst. Träume entstehen im Unterbewusstsein als Mischung und Produkt aus gemachten Erfahrungen, Angst, Begegnungen und anderes. Sie zu unterdrücken hat keinen Sinn, weil sie unbewusst kommen.

 

Ist der Traum intensiv genug und wachst du kurz nach ihm auf, dann ist er meistens noch etwas präsent. Ich habe angefangen, ein Traumtagebuch zu schreiben. Die Impressionen reichen von irrgartlichen Pfarrhäusern im dunklen Wald oder den großen Examensalpträumen, die ich 2017 hatte, als ich z.B. von den Wänden im Klausurraum erdrückt wurde oder der Bischof (Vorsitzender der Prüfungskommission) einen Galgenstrick vor meinen Augen hin und her schwang, kurz vor den mündlichen Prüfungen. Meine Träume seien immer sehr kreativ, wurde mir gesagt, aber wahrscheinlich liegt es darin, dass mein Kopf sich immer sehr viele Eindrücke speichert. Ob ich das nun will oder nicht, kann ich nicht steuern.

Das sind aber Nachtträume gewesen, die sich von den Tagträumen in der Form unterscheiden, dass das Bewusstsein nicht vollständig im Traum und Schlaf versunken und immer noch präsent ist und die Eindrücke leichter speicherbar sind.

 

In der Seelsorge geht es darum, einen Menschen ganzheitlich (Körper und Geist) zu betrachten und anzunehmen, wie er ist (in diesem einen Moment, wo man mit ihm spricht). Fantasie und Träume sind auch ein Teil davon. Diese Momentbetrachtung meint auch, die Entwicklungsfähigkeit (der Träume und des Lebens) anzuerkennen und gleichzeitig darum zu wissen, dass das nur eine Deutung ist. Vielleicht ist derjenige ja schon perfekt oder seine Träume sind gelockert und er ist glücklich mit seinem Leben.

 

Deswegen ist es mir wichtig, immer erst zuzuhören, egal wie (verrückt) der Traum ist. Die Begeisterung des Anderen nicht ignorieren, ihm nicht wehtun. Denn es kann sehr wehtun, wenn jemand sagt: "Du kannst das doch nie erreichen oder dein Traum ist Quatsch." Das unterdrückt die Glücksgefühle sehr. Aber ich denke das liegt oft daran, dass das vorwerfende Gegenüber nicht empathievoll genug ist (darum geht es auch als wichtigen seelsorgerlichen Aspekt) oder mit sich selbst unzufrieden ist. Aber vielleicht hat er ja eine Traumblockade, die erst gelockert werden muss. Empathie meint im wörtlichen Sinn, die Welt mit den Augen des Anderen und aus seiner Welt heraus zu sehen, so gut es geht.

 

Ich habe einen eher bescheidenen Traum: Ich möchte mit meinem Traumauto (Smart ForTwo, 2. Generation) die Welt etwas bereisen und mit ihm über die Golden-Gate-Bridge flitzen, meine Laufschuhe und vegetarische Verpflegung einpacken, ihn parken, los laufen, erschöpft und glücklich wieder zu ihm zurück laufen und weiter ziehen (Tageslaufvisiten machen). Vielleicht Songs von den Pet-Shop-Boys hören oder andere. Schon allein der Gedanke daran macht mich (sehr) glücklich und das sehe ich als seelsorgerliche Chance auch für Andere an:

 

Die Macht des Glücks in der Imagination nutzen und nicht unterdrücken und den Einzelnen als ganzheitlichen Menschen akzeptieren, seine Träume, seine Fantasien als Quellen für das eigene Glück zur Sprache bringen, ihnen zuhören.

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