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Nur durch (heraus-)fordern auch fördern? - Eine kritische Anfrage

Wenn jemand sagt: "Das schaffst du nicht oder das interessiert mich nicht, was du sagst." dann ist das nicht unbedingt eine ernst gemeinte Aussage, sondern ein (grenzwertiger) Versuch zu sagen: "Komm doch mal aus dir heraus und entfalte dich."

 

Aber darin liegt die Schwierigkeit. Dein Gegenüber weiß nicht unbedingt darum, dass du weißt, dass es dich aus der Reserve locken will. Wenn das so ist, dann kann das auch schnell die Gesprächssituation und die zwischenmenschliche Beziehung vergiften, was wir schon mal im Blogeintrag über die Macht der Imagination und der Träume für das eigene Glück besprachen und wie verletzend es sein kann, wenn jemand sagt: "Dein Traum ist Quatsch." Aber vielleicht ist das eben auch ein Versuch, jemanden aus der Reserve zu locken, ohne gleich zu denken, dass das Gegenüber nicht empathievoll genug ist.

 

Aber die Unwissenheit darum kann dafür sorgen, dass dieser Versuch nach hinten los geht und die Vertrauensbeziehung beziehungsweise der erste Eindruck misslingt und in Unzufriedenheit, Unmut und Traurigkeit mündet.

 

In der Pädagogik gibt es eine solche Grundformel (nur durch fordern auch fördern), die mehr Leistung und bessere Noten produzieren soll, was aber nicht unbedingt der Fall ist, wenn der Schüler sich überfordert fühlt und dadurch Stress und Druck entsteht. Das führt eher zum Gegenteil, dass seine Leidenschaften und die Glücksgefühle im Kopf gebremst werden.

 

Es gibt auch die Situation, dass ein Gegenüber jemanden so aus der Reserve locken will, indem er diesen mit seiner Leidenschaft erdrücken will und vielleicht nicht darüber nachdenkt, was er gerade in der Gesprächssituation sagt. Das Reden über seine Leidenschaft kann sich zu einem Flow, einen Gesprächsfluss entwickeln, der das Gegenüber vielleicht im anderen Sinn des Wortes "ertränkt". Eine mögliche Lösung dafür ist das Bremsen seiner eigenen Leidenschaften, um die Leidenschaft des Anderen zu wecken, indem er z.B. Fragen stellen oder an einem Projekt partizipieren kann (Angebot machen), seinen eigenen Leidenschaften zuhören, wozu es einen Raum der Gesprächsstille und der -pause bedarf.

 

In diesem Sinne macht ein Herausfordern, um zu fördern (ob nun aktiv oder passiv), nicht unbedingt Sinn, sondern sollte im wahrsten Sinne des Wortes inklusiv verstanden werden (jemanden bedingungslos integrieren).

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