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Die Universalität der Liebe - Eine Chance des Allein-Seins

Ich lebe schon immer allein. Aber ich definiere Allein-Sein jetzt hier im Sinne einer Beziehungslosigkeit zwischen Mann und Frau und so weiter. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, da ich doch denke, dass es mich und meinen Schaffensprozess einengen würde. In Berlin lebt z.B. die Hälfte aller Menschen ohne Partner (Stand 2016). In der Stadt fällt sowas nicht auf, anders als auf dem Land.

 

Alleine bin ich nicht, weil ich Freunde, Familie und Bekannte habe und vor allem Dinge, die meine Leidenschaft erfahren. Dazu gehört dieser Blog, mein Traumauto, meine Laufschuhe und im übertragenen Sinn der Laufsport (ob der Begriff "Ersatzbeziehungen" passt, verneine ich, weil sie eine einzige richtige Beziehung oder mehrere davon impliziert). "Ersatzbeziehungen" gibt es wohl viele, angesichts einer größer werdenden Single-Gesellschaft oder der fließenden Grenzen zwischen den sexuellen Neigungen, die darauf zurückgehen, in welcher sozialen Umwelt wie und wir in der Kindheit geprägt worden sind (z.B. durch Tiqs). Es gibt in der Katholischen Kirche den Kuss des Evangeliums, sobald es im Gottesdienst gelesen wurde. Versuche mal etwas zu küssen, was du liebst. Das kann alles Mögliche sein und du wirst merken, wie dir ein kalter, schöner, warmer Schauer über den Rücken fließt, der total entspannend wirkt (Universalität des Kuss- und Liebesgefühls), auch gegenüber "heiligen" Dingen, wie der Anblick einer Kirche oder der Besuch eines Gottesdienstes.

 

Das zeigt zumindest, dass unser Körper bei den Glücksgefühlen nicht unterscheidet, was wir lieben. Das ist aber nur eine These. Wahrscheinlich empfindet das nicht jeder so. Aber der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch hat das in seinem Buch von der Sexualität und ihren 99 Spielweisen sehr gut deutlich gemacht. Er ist etwas schwierig zu lesen, aber der Grundtenor ist doch eine Universalität der Liebe und des sexuellen Gefühls und dass jeder Mensch dazu in der Lage ist.

Ein interessantes Beispiel, was die Vegetarier und Veganer betrifft, sind veganophile Menschen. Ich sah einmal eine Doku über objektophile Menschen, Menschen, die zu Gegenständen eine sexuelle Beziehung haben und hier war das Beispiel eines Paares, die eine gemeinsame Beziehung zum Gemüse und Obst haben und sich darüber freuen, wenn sie Gemüse zubereiten, essen und den Geschmack genießen, lächeln und sich über den Geschmack freuen.

 

Es gibt wohl keine festen Kategorien, wie Homo- und Heterosexualität, sondern vielmehr Mischformen der jeweiligen Leidenschaften und Weisen der Liebe. In der Antike gab es diese Kategorien nicht, die es erst seit dem 19. Jahrhundert gibt, und ich habe einmal ein Buch gelesen (der Untergang von Pompeji), in dem der Autor sehr detailliert über das geschrieben hat, was so in einem römischen Bordell abgegangen ist (ob er da eine authentische Quelle verwendet hat, weiß ich nicht) und ich denke, man kann es unter dem Stichwort: Hemmungslosigkeit jenseits der Geschlechter, beschreiben.

Aber wie entsteht sowas oder überhaupt solche Neigungen und "Exzesse"? Wahrscheinlich durch die Triebfähigkeit des Menschen, die zwischen Über-Ich und Ich changiert (Sigmund Freud). Das Über-Ich, die gesellschaftlichen Konventionen oder Angst vor Schuld und Strafe z.B., bremsen die Triebe ab und wirken auf das gegenwärtige Ich. Aber das heißt nicht, dass der Trieb damit besänftigt sei. Geht das Über-Ich zu weit, kann das auch schädlich sein, im Sinne einer Blockierung der Glücksgefühle, die den Stress kompensieren, oder immer das zu tun, was die Gesellschaft oder die Konvention von einem erwarten.

 

Wir hatten auch mal über das Thema gesprochen, in einem Teezimmer über die Filmpredigt im Film Poseidon. Der Prediger Referend Scott sagte, dass wir selbst für unser Leben verantwortlich sind und nicht Gott, da Gott sehr beschäftigt ist und er einen langfristigen Plan hat, der über unsere Begriffswelt hinaus geht. Wir sind es die verantwortlich sind und Leben weiter geben und Hoffnung, entweder durch die Kinder oder einem Beitrag, den jeder Mensch sonst der Menschheit leistet. Und das zeigt doch oder bietet zumindest einen Raum, seine Leidenschaften auf eine andere Art zu entfalten und andere daran Anteil haben zu lassen.

 

Zusammenfassend: Ich finde, dass die Universalität der Liebe für Menschen, die vermeintlich alleine leben, eine große Kraft und Stärkung sein kann. Denn die Glücksgefühle überströmen den Körper und kompensieren den Stress. Aber das sollte auch nur so weit gehen, dass der Blick für das Wesentliche nicht verloren geht (z.B. die Arbeit, die Freunde, die sozialen Kontakte). Aber es ist auch eine Möglichkeit, eine produktive Leidenschaft als Gewinn für die Welt zu entwickeln.

 

Stimmt ihr diesen Gedanken zu?

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