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Theologie todernst - Der (richtige) Umgang mit dem Sterben

Das Theologiestudium kann einen ganz schön an die Grenzen führen. Ich glaube, dass es nur in wenigen Studiengängen (auch Medizin oder Diakonik und Recht) so sehr um Grenz- und Anfangsfragen des menschlichen Lebens geht. Wichtig ist die Gewinnung eines emotionalen Abstandes in der Praxis, der möglicherweise durch die kritische Reflexionsarbeit im Studium erreicht werden kann oder auch um die Herstellung und Einnahme einer eigenen Position zu Tod und Sterben. Der Studienleiter in Ratzeburg während eines Gemeindepraktikums meinte auch, dass das Amt die Person tragen kann ("Wenn Sie eine Situation emotional (etwas) belastet, dann suchen Sie sich eine andere Aufgabe. Im Pfarrberuf gibt es da sehr viele Alternativen."), sonst droht der Burnout, aufgrund der vielen emotionalen Eindrücke bei gleichzeitig anderen Aufgaben und hoher Arbeitsleistung (das betrifft nicht nur den Pfarrberuf, sondern auch andere Berufe). Wichtig scheint mir, ein gesundes Maß zu halten. Anteil nehmen (Empathie) und Abstand gewinnen, in Maßen. Laufen kann auch eine Möglichkeit sein, Abstand zu gewinnen und den vollen Kopf frei zu kriegen.

 

Die Vorlesungen zu Eschatologie (die Lehre von den letzten Dingen) in der Systematischen Theologie oder Kasuallehre (die Bestattung ist neben Konfirmation, Taufe oder Hochzeit ein Hauptritus im Pfarrberuf), Bestattungsrecht (jede kirchliche Beerdigung muss rechtlich geordnet beim Kirchenamt angemeldet werden) können ganz schön "unter die Haut gehen", besonders wenn man noch jung ist und sich noch nicht so große Gedanken (angesichts seiner jungen Unsterblichkeit) darum gemacht hat.

 

Und klar: Wie weit darf die Beschäftigung mit dem Tod gehen, um nicht das Leben zu vergessen (Sterbekunst vs. Lebenskunst). Darüber werde ich aber nochmal schreiben, warum Sterbekunst zur Lebenskunst werden sollte, ohne eins von beiden außen Acht zu lassen.

In den Gemeindepraktika musste ich oft bei Beerdigungen hospitieren und schauen, was der Pfarrer "so macht" und wie der Ablauf ist. Und das kann sehr in das Herz gehen, aufgrund des kollektiven Weinens einer Trauergemeinde oder der traurigen Lieder (die traurige Atmosphäre insgesamt) oder die aufgestaute, emotionale Energie im Raum des Übergangs in der Kirche oder am Grab. Abstand wird auch durch das anschließende Trauerkaffee gewonnen. Die Trauernden führen Alltagsgespräche, lachen wieder (werdende Lebenskunst) und empfinden wieder Fröhliches, was vielleicht auch am Zucker im Kuchen und Kaffee liegt, die Muntermacher sind (Zucker ist nicht generell schlecht). Letzlich ist es auch eine Erfahrungssache im Beruf, dass man ruhiger mit solchen Fällen umgeht oder aber eine eigene Position entwirft.

 

Ich weiß z.B. schon, dass ich im Ganzen bleiben will (das heißt keine Feuerbestattung und besonders keine im Wasser, weil ich einen festen Ort, am liebsten bei meiner Familie, meinen Laufschuhen oder meinem Traumauto ;), haben möchte und nicht in der Weltgeschichte herumtreiben will, nachdem ich mich im Wasser aufgelöst habe). Auch würde ich gerne das Lied "Von guten Mächten wunderbar geborgen" (Dietrich Bonhoeffer) "hören". Schon der Gedanke daran macht mich nicht traurig, sondern glücklich. Warum? Das weiß ich im Moment nicht, wahrscheinlich wird traurige Sterbenskunst doch zur fröhlichen Lebenskunst und weil ich noch da bin und es wirklich höre, ohne schon fort zu sein. Vielleicht kannst du dir ja auch Gedanken darum machen, um schon mal ein paar Dinge "vorab" zu klären und das anscheinend gar nichts schlimmes ist.

Dann ist die Auferstehung von den Toten (im christlichen Glauben) nur eine von vielen Möglichkeiten und letztlich weiß niemand, was sein wird und kommt und es ist eine Deutungsfrage, die Deutung des Endes oder was Wahrheit ist. Als Pastor steht man besonders in konfessionslosen Gebieten an "Nahtstellen", wo mehrere Vorstellungen vom Ende aufeinander zu laufen und man da vermitteln muss und Offenheit haben (sollte), hinsichtlich der vielen Möglichkeiten von Reinkarnation, Ganztod oder Trennung Leib und Seele usw. Ich setze das Sollen und Müssen in Klammer. Es ist nur ein Angebot der Reflexion.

 

Aber klar ist, denke ich, die Rückkehr in den Zustand vor dem Leben (Ursuppe) und da ich mich an nichts vor 1995 erinnern kann, glaube ich (im Moment nicht), dass auch danach nichts weiter wirklich kommen wird. Die Auferstehung von den Toten ist ein Hoffnungsaspekt. Wir hoffen als Christen darauf, dass es so kommt, meinte ein Dozent in oben geschriebener Vorlesung zur Eschatologie als Teilgebiet der Dogmatik. Im Moment jedenfalls glaube ich, dass es so ist, bis ich eines Besseren belehrt werde (aber das Experiment mit dem Gang in den Tod ist ein Tabu-Experiment). Beweisen kann ich es nicht. Niemand kann das.

 

Zusammenfassend: Für das Theologiestudium und den Pfarrberuf ist ein emotionaler Abstand angesichts von Trauerfällen notwendig (sonst Burnout-Gefahr). Dieser Abstand kann durch kritische Reflexion, eine andere Aufgabe oder eine eigene Position dazu erreicht werden.

 

Fallen dir noch mehr Möglichkeiten ein, Abstand zu gewinnen?

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