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Die Macht der Zahlen - Der Größenwahn der Mathematik

Dieser Eintrag versucht sich an einer kritischen Reflexion über Zahlen und Mathematik. Dazu muss ich sagen, dass ich 2004 und 2006 im Fach Mathematik versetzungsgefährdet war und auch 2011 bei der Abiturprüfung durchfiel (in 2 Fächern durfte man durchfallen) und ich mir, als ich den Klausurenraum verlassen habe, geschworen habe, mich niewieder mit höherer Mathematik zu befassen. Daher kann ich mich als nicht als nicht-voreingenommen bezeichnen. Aber das Gutachten war irgendwie lustig: "Die Rechnenwege sind so schwierig nachzuvollziehen und so (schindluderig) aufgeschrieben worden, dass die Klausur mit gerade so ausreichend bewertet werden kann."

 

Am Ende kam aber trotzdem ein gutes Abitur heraus. Aber das Fach hat die 1 vor dem Komma knapp verhindert und gezeigt, dass sich meine Noten immer zwischen Genie und Wahnsinn beweg(t)en. Vielleicht ist das auch ein weiterer Beweis für die Subjektivität der Notengebung und ihrer Abhängigkeit von Kontexten, wie bei den Zahlen insgesamt. Das relativiert sich jetzt etwas, weil ich versuche die (höhere) Mathematik für die Philosophie oder die Literatur und den Laufsport nutzbar zu machen (z.B. die relative Best(kilometerzahl)zeit). Man kann auch aus Zahlen lernen.

 

Ich bin immer noch der Meinung, dass die Noten zwar subjektiv sind, aber dennoch Leistung und Anstrengungsbereitschaft (in Zukunft) abbilden können. Sie zeigen jemanden an, wo, wie und dass er sich verbessern (oder aber auch verschlechtern) kann (an sich selbst wachsen können). Ein Experte für ein Thema kann auch vergessen und seine Note im Moment ist nur ein Augenblicksmoment, er daher immer wieder trainieren muss. Eine Bestzeit ist abhängig von verschiedenen Kontexte (z.B. offene Schnürsenkel oder ob die Laufuhr richtig funktioniert). Und Website-Besucherzahlen oder die Zahl von gelaufenen Marathons sind auch relativ. Sie können wieder sinken oder weiter steigen. Doch habe ich manchmal das Gefühl, dass solche (größenwahnsinige) Zahlen von Fremden die eigene Leidenschaft ausbremsen können, sobald sie im Tausenderbereich sind ("So viel wie der werde ich niemals schaffen.").

 

Mithilfe der Mathematik möchte der Mensch sich die Welt durch die Zahlen erschließen und sie sich verstehbar machen und daraus Schlüsse ziehen. Hypothesen werden bewiesen, ausgemessen und die Ergebnisse mit Zahlen, Daten, Tabellen und ergänzenden Texten aufgeschrieben. Diese Zahlen sind abhängig von verschiedenen, nie denselben Kontexten, Wetter- und Umgebungsbedingungen, aber auch menschlichen Messfehlern. Wenn man sich z.B. die Baupläne für die Stadt Germania als Neugestaltung der Stadt Berlin ansieht, dann sieht dieses Gebilde auf dem Papier stabiler aus, als in der Wirklichkeit, wenn diese Stadt wirklich entstanden wäre. Das hohe Gewicht der Gebäude und die ausgemessenen Ausmaße hätten niemals vom sandigen Boden in Berlin getragen werden können und sie wären wie der schiefe Turm von Pisa langsam im Boden abgesackt. (Größenwahnsinnge) Zahlen bilden nicht unbedingt die Realität ab und können nicht immer in dieser umgesetzt werden.

 

Ich habe die Philosophie der Mathematik einmal als magische Mathematik verstanden. Sie kann verschieden und fächerübergreifend verwendet und in astronomische Höhen getrieben werden. Es gibt z.B. die Möglichkeit einen literarischen Text mithilfe einer Sinus-Kurve in einem Koordinaten auszuwerten. Jeder Text, jedes Drama folgt dem Schema Höhepunkt, Tiefpunkt, Kritik und so weiter. Wenn man nun eine Sinus-Wert verändert, den Winkelwert, dann verändert sich Kurve insgesamt, entweder in den positiven oder negativen Bereich, wie auf eine magische Weise.

 

Die Ergebnisse können aber wahrscheinlich als nie eindeutig zu bezeichnen zu sein, sondern sind immer nur als eine Deutung, ein Angebot, das abgelehnt oder kritisch gesehen werden kann. Aber es ist schwieriger Zahlen zu kritisieren als Texte. Denn Zahlen wirken fest und starr. Eine 1 ist immer eine 1 und keine 2 und nicht umgedreht.

 

Zusammenfassung: Zahlen und Mathematik sind keine festen, unhinterfragbaren Größen, sondern abhängig von subjektiven und umwelttechnischen Kontexten. Ihre Größenwahnsinnigkeit, oder die Fähigkeit dazu, kann Angst machen und muss hinterfragt werden.

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