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Warum ich ein Christ bin - Vater deine Liebe ist so groß

Als ich letztens auf der Titelseite des Spiegels diese Überschrift sah, war ich schockiert und irgendwie auch traurig: "Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen." Brauchen wir noch die Kirche? So könnte man weiter fragen. Und ich erinnere mich an meine Lauferfahrungen, wie ich einmal an einer Blumenwiese vorbei lief, meine Hände ausstreckte, in der gewohnten Läufer-Flugzeughaltung, und in den Blumen und im Gras die Schöpfung spürte, mir die Pflanzen durch die Hände glitten ließ, was einfach wunderschön war und wie schön dieses Leben auf dieser Erde ist und ich mich daran erinnere, wie ich (fast) jeden Morgen sage: "Danke für dieses wunderschöne, (einzige) Leben, Gott."

 

Das gibt mir genug Kraft zum Aufstehen :D Klar sind es die wunderschönen Gefühle und Glücksgefühle, die mir über den Rücken fließen (die Rationalisten würden sagen Endorphime). Aber ich finde, wir reflektieren zu viel, was die Welt kälter und glückloser macht. Zu wenig Genuss, mehr Kälte durch wissenschaftliche Neutralität. Ein Grund, warum mir Atheisten Angst machen und ich eher vor ihnen "davon laufe", obwohl mir als Religionspädagoge bewusst ist, Religion plausibel zu machen und selbst Grenzen überschreiten muss, die mir selbst nicht gut tun und jede Religionsunterrichtsstunde einem Risiko des Scheiterns unterliegt.

 

Zum Christ-Sein bin ich eher zufällig gekommen. Vor meinem 14. Lebensjahr war da außer Kinderbibel und ein bisschen Ev. Religionsunterricht in der Schule nicht so viel vorhanden. Ich habe häufig eine neutrale Nerd-Haltung eingenommen. Meine Eltern wollten, dass jeder selbst entscheiden sollte, wozu er sich bekennt. In meiner Jugend war ich zeitgleich, ich sags mal so, ein "halbüberzeugter" Kommunist. Die klassenlose Gesellschaft und die Geschichte über den fiktiven griechischen Staat faszinierten mich und die Liebe zu Autos. Den Kommunismus habe ich im Laufe des Studiums immer kritischer gesehen, meine Romanfiguren haben ihre gerechte Strafe erhalten, als ich das letzte Kapitel dazu schrieb.

 

Die klassenlose Gesellschaft lebt aber auch hier etwas weiter, in Form der Urkundenwerksatt, dass jedermann einen 1. Platz erreichen kann und es keine "Jahrgangsklassen" mehr gibt. Ein christlicher Atheist? Nein. Ich bin an allem interessiert. Ich finde, das Glück sucht sich seine Konfession. Auf dem Papier bin ich Mitglied der Evangelischen Kirche, aber im Herzen spüre ich Gott durch seine geschenkten Gefühle und sein Leben mir gegenüber, wofür ich nicht genug danken kann, weil es so kostbar, einzigartig und einmalig ist.

 

Das Leben in der Kirchengemeinde in der Sassnitz ab 2006 als Küster und Lektor lief nebenher, wo ich langsam rein wuchs, nach Taufe 2007 und Konfirmation 2008 und dem Entschluss Theologie zu studieren 2010, glaube ich. Anfangs sprach ich die liturgischen Formeln auch einfach nach, ohne mich von ihnen richtig "durchfließen" zu lassen, Religion zu genießen und nicht einfach nur die Erwartungen eines Pastors und der umliegenden Gemeinde zu erfüllen, um mich anzupassen. Es ist viel wichtiger für den Beruf und den Glauben zu brennen, aus sich heraus, aus dem Glücks-Ego heraus. Das gibt genug Kraft, auch für den Laufsport.

 

Gott schenkt uns so viel Liebe (durch unsere Gefühle, unser Empfinden für schöne Dinge, die Blumen, die Gerüche im Wald) und das Glück dadurch, und wenn ich im Spiegel lese, dass selbst Christen keinen Gott mehr brauchen, dann bin ich irgendwie traurig und ich verstehe es auch nicht.

 

 

Und diese Gefühle sind doch nicht auf das Christentum beschränkt, sondern auch auf andere Religionen und konfessionslosen Überzeugungen - die Universalität der Liebe.

 

Seht ihr das auch so?

 

Links

 

Die Universalität der Liebe - Eine Chance des Allein-Seins

 

(K)ein Futter für das Ego-Ego sein, sondern für das Glücks-Ego

 

 

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