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Macht und Ohnmacht - Eine (gefährliche) Verbindung

"Der Genuss der absoluten Macht zerstört das Gute im Menschen." so lautet mein Beginnzitat vom Buch "Quo vadis Graecus?". Und tatsächlich: Macht ist verführerisch, besonders dann, wenn sie nicht kritisch beurteilt wird, durch den, der Macht hat und durch den, über den Macht ausgeübt wird.

 

Macht bedeutet, die Fähigkeit zu haben, jemanden zu steuern, mit seinen eigenen Intentionen. Verbunden ist das auch mit einer Ohnmacht, der Machtlosigkeit, sowohl vom demjenigen, der beherrscht wird und (nicht) herrschen kann als auch demjenigen der herrscht. In der Gefängnisseelsorge wird die Theorie dieses Macht- und Ohnmachtsverhältnisses von Strafgefangenen rezipiert. Sie werden deshalb straffällig, als einer von vielen Gründen, weil sie in der Kindheit oder überhaupt in der Vergangenheit Ohnmachtserfahrung durch häusliche Gewalt der Eltern, Mobbing oder Gewalt von Fremden erlitten haben.

 

Dieses hat Auswirkungen auf die Psyche, die in der Folge und Steigerung dieser Fälle, mit Ohnmacht belastet wird. Folgen können Gedanken, wie Rache, Angst, Depression, Negativ-Emotion, sein. Diese Fälle verbleiben auch im Gedächtnis. Mir fällt auf, dass wenn eine Erinnerung beziehungsweise ein Ereignis sehr stark, sehr eindrücklich ist, dann verbleibt dies auch meist für immer im Gedächtnis. Unwiderruflich. Unser Kopf scheint an dieser Stelle dem Vergessen eine Grenze zu setzen, was nicht immer gut ist. Es bildet sich ein Gewaltteufelskreis. Die Erfahrung von Ohnmacht und der Verbleib dieser im Gedächtnis führt zu den Straftaten der Gefangenen, als ein möglicher Grund für diese.

 

Prof. hc. Dr. hc. mult. Georgios Volgin oder auch der Mann, der den 2. Weltkrieg begann, sind gute Beispiele dafür oder aber auch die "hochqualifizierten" NS-Funktionäre wie Dr. iur. Hans Frank, Leiter des Generalgouverments in Polen, Dr. phil. Joseph Goebbels oder Dr. iur. Ernst Kaltenbrunner, hochrangiges Mitglied innerhalb der Reichssicherheit und Nachfolger von Heinrich Himmler. Alle diese Personen mögen zwar hochgebildet sein, aber die Bildung scheint nicht vor dem Wahnsinn beziehungsweise dem Galgen (nach dem Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher) zu schützen oder dem Selbstmord. Sie haben sehr viel Leid in die Weltgeschichte gebracht. Und ich habe mich in einem Referat einmal gefragt, warum solche Menschen, die zwar an der Universität studiert haben, trotzdem solche schlimme Taten vollbringen können. Wahrscheinlich haben sie Ohnmachtserfahrungen erlebt und die Grenzen zwischen Genialität und Wahnsinn sollen ja fließend sein.

 

Macht ist auch ansteckend. Eine Ohnmacht ist nicht immer unbedingt vorauszusetzen. Bei dem literarischen Beispiel Georgios Volgin waren es die Erfahrungen durch Mobbing von Mitschülern, obwohl er in der Schule als brillianter Rhetoriker und hochbegabt galt. Schon mit 14 Jahren entwickelte er die Grundzüge des Volginismus und beschäftigte sich im Geheimen mit Staatstheorie und Geschichte, da er sonst als verschlossen und introvertiert galt, was sich dann aufgrund seiner Ohnmachtserfahrungen änderte. Die Ohnmacht der Wirtschaft Griechenland, der Hass auf die Kapitalgesellschaften (die unkontrollierte, freie Marktwirtschaft), die Empathie für die Unterschicht, seine eigene Ohnmacht, seine Unterschätzung, das man über ihn gelacht hat, führten zur Macht und zu seinem schnellen Aufstieg.

 

Mit seinem Charisma und seiner Energie dadurch konnte er viele Menschen elektrisieren und manipulieren, auch um ihr eigenes Machtstreben zu entdecken. Und das wurde zur Gefahr für die Demokratie und die Republik Griechenland. Dasselbe gilt auch für andere Diktatoren und Demagogen. Doch was kann man dagegen tun? Ich sage nur: Kritikfähigkeit. Glaubt nicht alles, was ihr hört. Stellt Fragen. Redet dazwischen. Tut etwas Gutes. Denn "für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun." (Edmund Burke)

 

Zusammenfassung: Macht und Ohnmacht in der Vergangenheit sind untrennbar miteinander verbunden. Sie sind eine gefährliche Mischung, wenn sie nicht kritisch vom Subjekt selbst beurteilt werden oder von dem Subjekt, über das Macht ausgeübt wird.

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