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Die (unbewusst) vegan lebenden Nymphensittiche und andere Papageienarten

Die Nymphensittiche (Nymphicus hollandicus) sind Tiere, die ich sehr bewunder, aber auch andere Sittiche und Papageienarten. Sie sind sehr minimalistisch lebend und leben in kleinen Gruppen (bis zu 50 Tiere) und ziehen als Nomaden durch die trockenen Ebenen und Wüsten Australiens.

Sie sind Langschläfer (bis zu 12 Stunden Schlaf am Tag), wie ich finde und beschweren sich schonmal, wenn sie frühzeitig geweckt werden (Fauchen!). Aber sie haben trotzdem volle Energie. Auf der Suche nach Wasser müssen sie mehrere hunderte Kilometer fliegen, wie die Wellensittiche, und das mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern, wenn die Suche nach Wasser dringend wird. Sie würden auf Strava wahrscheinlich alle menschlichen Sportler dieser Welt in den Schatten stellen und trotzdem ruhig und entspannt auf ihrem Ast "dösen" und ihr Gefieder pflegen. Das ist etwas, was sie sehr ausgiebig machen. Vielleicht erinnern sie uns daran, dass wir nicht die einzigen Sportler auf dieser Erde sind.

 

Dabei können sie auch voller Energie und laut sein. Nymphensittiche sind sehr laut und haben einen lauten Kontaktruf, der für die Mitmenschen nicht immer angenehm ist, aber so halten sie Kontakt untereinander und machen auf sich aufmerksam, wenn etwas nicht in Ordnung ist, wie ein kleines Kind fast. Meistens wollen sie Freiflug haben (werden unruhig, trippeln auf der Stange hin und her) oder Futter oder Gesellschaft. Ziemlich wenig, nicht wahr? Ja, aber sie sind sehr zufrieden, sehe ich, freuen sich über das Wasserspritzen beim Duschen, strecken die Flügel aus (Engel machen) und das ist, so sagte mir ein Vogelkenner, pure Lebensfreude. Und ich finde, wir können viel von ihnen lernen. Denn: Sie leben u.a. komplett vegan!!! (wenn auch unbewusst, denke ich). Sie ernähren sich von Körnern, Sonnenblumenkernen (die sind sehr fettig und sollten nicht den Hauptbestand im Futter wegen möglicher Überfettung bilden) und Obst und Gemüse.

 

Das ist Wahnsinn. Sie sind von der Statur klein, schmal und schlank. Man würde von ihnen gar nicht solche Höchstleistungen erwarten. Doch sind diese Höchstleistungen wahrscheinlich auch auf die Evolution zurückzuführen.

Da sie in Gebieten leben, in der die Sterblichkeitsrate aufgrund der Umweltbedingungen hoch ist, haben Sie sich an diese Bedingungen angepasst und die Natur hat ihnen ein paar wichtige Fähigkeiten dazu geliefert. Sie legen umfangreiche Nester mit bis zu 6 Eiern und sie können bei optimalen Bedingungen jederzeit brüten beziehungsweise ob es dem Weibchen passt :)

Von diesem ist abhängig, ob der Nistplatz (oft ein hohler Ast) gut ist und wie viel Ausdauer sie hat. Das Brüten und Legen von Eiern ist anstrengend und führt mitunter auch zum Tod (Legenot). Doch beide Elternteile kümmern sich um den Nachwuchs und das mehrmals im Jahr, damit die Art nicht ausstirbt. Die Eier sind daher auch für Fortkommen wichtig.

 

Heutzutage leben diese Tiere nicht nur mehr in Australien, sondern sind auch hier heimisch durch Zucht oder als Gefangenschaftsflüchtlinge geworden, da sie sehr resistent sind (z.B. auch die Alexandersittiche beziehungsweise Halsbandsittiche) und Kälte gut vertragen können. Und dann sind sie natürlich Heimtiere, die in der Gefangenschaft sehr alt werden können (15-20 Jahre, es gibt aber auch Exemplare, die über 30 werden), wahrscheinlich auch wegen ihrer Ernährung (die vom Halter abhängig ist) und ihrem Drang zur Bewegung.

 

Und obwohl sie in der Zucht aufgewachsen sind, so sind sie in ihrer ursprünglichen Art immer noch Australier. Sie haben aber nicht mehr mit Wüsten und mangelndem Wasser zu kämpfen. Vielleicht suchen sie sich dann neue Wege, um ihre Energie loszuwerden (laute Rufe, viel Freiflug, die haben sehr viel Spaß dabei). Einmal kam ich an einer Voliere vorbei und die Sittiche begrüßten uns, nachdem sie sofort zu uns ans Gitter kamen.

 

Zusammenfassung: Wir können viel von Nymphensittichen und anderen Papageienarten lernen, die sehr minimalistisch und anspruchlos leben (Bezug auf die Primärbedürfnisse, auch wenn sie natürlich auch Spielzeug usw. mögen) und vorallem vegan (wenn auch unbewusst) und trotzdem sportliche Höchstleistungen erbringen und sie voller Energie sind.

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